Aus der Traum, Edmund.

„Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München … mit zehn Minuten, ohne, dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen … am … am Hauptbahnhof in München starten Sie Ihren Flug. Zehn Minuten. Schauen Sie sich mal die großen Flughäfen an, wenn Sie in Heathrow in London oder sonst wo, meine sehr … äh, Charles de Gaulle in Frankreich oder in … in … in Rom. Wenn Sie sich mal die Entfernungen anschauen, wenn Sie Frankfurt sich ansehen, dann werden Sie feststellen, dass zehn Minuten Sie jederzeit locker in Frankfurt brauchen, um ihr Gate zu finden. Wenn Sie vom Flug … vom … vom Hauptbahnhof starten – Sie steigen in den Hauptbahnhof ein, Sie fahren mit dem Transrapid in zehn Minuten an den Flughafen in … an den Flughafen Franz Josef Strauß. Dann starten Sie praktisch hier am Hauptbahnhof in München. Das bedeutet natürlich, dass der Hauptbahnhof im Grunde genommen näher an Bayern … an die bayerischen Städte heranwächst, weil das ja klar ist, weil auf dem Hauptbahnhof viele Linien aus Bayern zusammenlaufen.“

Applaus, Applaus!!! Diese Rede war wirklich ein Geschenk! Dafür hat sich auch die gesamte Republik bei Edmund Stoiber bedankt. Doch was passiert denn nun? War alles nur Heuchelei? Jetzt tritt die Republik Edmund im Nachhinein in die Kronjuwelen, denn der Transrapid in München ist passé. Statt der veranschlagten 1,85 Milliarden (1.850.000.000) Euro sollten es nun 3,4 Milliarden (3.400.000.000) Euro werden. FÜR LÄCHERLICHE 37 KILOMETER!!! Zu teuer – ach nee! Versteh ich nicht. Warum sind knappe 100 Millionen Euro pro Kilometer zu teuer für eine zukunftsträchtige Technologie? Wir haben’s doch, oder?

Die Verteuerung soll ihren Ursprung im Bau-Bereich haben. Doch keiner will’s gewesen sein. Siemens als Technologie-Lieferant weißt die Verantwortung von sich, Firma Hoch-Tief auch, doch die bauen für gewöhnlich. Tja, nichts wird preiswerter, doch dass die Prognosen in Planfeststellungsverfahren nie stimmen, ist ja auch bekannt – Hauptsache, man bekommt den Zuschlag für das Millionen- oder Milliarden-Projekt. Bis dahin fließen Schmiergelder an Parlamentarier und Stadträte, und Kalkulationen werden fleißig frisiert. Nun ist alles umsonst gewesen. Na ja, ist nicht so schlimm. Schließlich ist es schon das dritte Mal, dass ein Projekt für eine Magnetschwebebahn innerhalb Deutschlands scheitert. Zur Erinnerung:

  1. im Jahr 2000 die 292 km lange Strecke Berlin – Hamburg
  2. 2003 der „Metrorapid“ – die Städteverbindung im Ruhrpott
  3. München – Flughafen München

Meine Idee wäre ja folgende gewesen: Den Großflughafen für Mitteldeutschland in Leipzig richtig (so richtig, richtig) groß ausbauen, dass man auf den BBI in Berlin-Schönefeld verzichten könnte. Der Transrapid hätte dann Leipzig mit Berlin verbinden können – parallel zur A9 – das wär’s doch gewesen, oder? Eine halben Stunde würden die Passagiere von Berlins Mitte bis zum Flughafen unterwegs sein. Dann hätte Wowi bei Prosecco und Kaviar sagen können: „Wenn Sie vom Hauptbahnhof in – äh – Berlin … mit zehn Minuten, ohne, dass Sie – äh – am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie – äh – im Grunde genommen am Flughafen … am … äh – am Hauptbahnhof in – äh – Berlin starten Sie Ihren Flug…..“

ähnliche Artikel:

http://is.gd/GDBXFz

Schreibe einen Kommentar