Kleinkunst?

Nein, das ist große Kunst, es sollte einen Großkunstpreis geben. Diesen müsste man dann Hagen Rether verleihen. Der Mann ist unglaublich und einmalig – dennoch kennen ihn nicht besonders viele Menschen. Kabarettist, Satiriker, Zyniker – was noch? Pianist, Erzähler und jemand, der einem mit dem verbalen Hammer den Schwachsinn aus den Hirnwindungen drischt, dass es nur so kracht.

Hagen Rether greift Themen auf, die in den Schlagzeilen der Titelseiten von „BLÖD“ „BILD“ oder anderen auftauchen und zwingt den Zuhörer dazu, über den Tellerrand des Konsumenten hinaus zu blicken. Mit einem Lächeln auf den Lippen zieht er Angela Merkel und George W. Bush durch den Kakao. Er hält uns, der Gesellschaft das Magazin Spiegel vor, und zeigt auf, wie uns schleichend eine Angst eingeimpft wird.

Er nennt Edmund Stoiber den letzten Freigeist im Wortsinn, Papst Benefiz Benedikt XVI. ist bei ihm ein verbitterter, verstockter, deutscher Katholik oder Ratzinger ein Amokläufer (nebenbei spielt er  das „Ave Maria“) und der an das Ergebnis der Papstwahl angelehnte Ausspruch „Habemus Mamam!“ wird, dezent von der „Ode an die Freude“ begleitet, zur Einleitung für eine Tirade auf die Bundeskanzlerin. Scharfzüngig, mit einem rasiermesserscharfen Verstand gesegnet spricht er von Joschkar Fischer, Michel Friedmann und ukrainischen Frauen.

Inhuman und marode ist das System in dem wir leben; Rether ist ein Linker, aber kein Vorzeigelinker. Nichts ist vor ihm sicher, Ackermann und die Aktionäre, Alkohol-Kids und Günther Jauchs Krombacher-Werbung, die Bildungspolitik, Gammelfleisch und Darmbakterien im Joghurt. Mit einem Baseball-Schläger bewaffnet (aus einer Baseball-Schläger-Schnitzerei im Erzgebirge) setzt er sich an einen Flügel von Steinway & Sons, redet darüber, dass wir von Schildbürgern regiert werden, die auf’s Meer hinaus fahren, den Schatz über Bord werfen und die Stelle am Boot markieren – großartig!

Mich hat in der gesamten deutschen Kabarett-Szene noch niemand (Dieter Hildebrandt vielleicht) so begeistert wie Hagen Rether. Am 6. Juni kommt er nach Berlin und wenn alles gut geht, bin ich dabei. Bis denn…

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