Terror

Die Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte, menschenverachtende Gewalt, also Terror, zur Erreichung von politischen, religiösen oder wirtschaftlichen Zielen nennt sich Terrorismus. So genannte Kollateralschäden gibt es dabei nicht, jeder auftretende Schaden ist beabsichtigt, wird gebilligt oder zumindest nicht mit aller Sorgfalt vermieden.

Diese Prinzipien lassen sich auf alle Terroranschläge anwenden, egal, wer sie begeht: Separatisten, Linksextremisten, Islamisten. Die Folge sind Angst und Schrecken. Daraus generieren Radikale widerum Hass, indem sie den Opfern eine Gemeinschaft bieten, ihnen die Welt „erklären“ und die Urheber des Terrors zum Feindbild erklären. So wird die Gruppe der Opfer moralisch und kulturell über die Gruppe der Täter erhoben und es braucht nur noch einen Schritt, den absoluten Willen, um den Gegner anzugreifen.

Dieser Ablauf lässt sich auf jeden Terror anwenden, egal, wer ihn ausübt. Vollkommen egal. Auch Staaten üben Terror aus. Noam Chomsky hat bereits den Staatsterrorismus dem von Terrorgruppen gleichgestellt, denn nicht nur die Auswirkungen sind gleich, sondern auch die Zielstellung sowie die Methoden.

Was ist dann der „Krieg gegen den Terror“? Er ist ebenfalls nichts anderes als Terror. Das Eindringen in die Lufträume souveräner Staaten ohne deren Zustimmung wie z.B. die Luftangriffe mit Kampfjets oder Drohnen der USA, Großbritanniens, Frankreichs oder Saudi-Arabiens in Afghanistan, Libyen, Syrien oder im Jemen sind Akte des Terrors, da sie außerhalb eines Kriegsrahmens ablaufen. Mit „chirurgischer Präzision“ durchgeführte Angriffe töten unzählige am Konflikt unbeteiligte Kinder, Frauen und Männer, zerstören Schulen, Wohn- und Krankenhäuser.

Die Folge sind Angst und Schrecken, in den betroffenen Ländern kommen aber noch Armut, Obdachlosigkeit, Bildungsmangel, Arbeitslosigkeit hinzu. Daraus generieren Radikale widerum Hass, indem sie den Opfern eine Gemeinschaft bieten, ihnen die Welt „erklären“ und die Urheber des Terrors zum Feindbild erklären. Die Gruppe der Opfer wird moralisch über die Gruppe der Täter erhoben und es braucht nur noch einen Schritt, den absoluten Willen, um den Gegner anzugreifen.

Auf jeden Anschlag – egal auf und von welcher Seite – folgt die Frage nach der geeigenten Reaktion. Diese wird reflexartig mit Begriffen wie „Härte“, „Stärke“, „Widerstand“ und „Kampf“ beantwortet – auf beiden Seiten. Niemand versucht jemals diesen Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen – auf keiner Seite. Denn es geht um Gesichtsverlust. Jeder, der nicht entschlossen gegen die Terroristen vorgeht, zeigt Schwäche und wird durch radikalere Kräfte ersetzt werden – auf beiden Seiten.

Schützt ein Präsident sein Volk nicht durch Maßnahmen, die dem Volk als geeignet verkauft werden, wird er die nächste Wahl gegen jemanden verlieren, der eben diese Maßnahmen zu ergreifen verspricht. Übt der Führer einer Terrorgruppe keine Vergeltung für die Angriffe des Gegners, wird er in Kürze durch einen entschlosseneren Anführer ersetzt werden. Die Motive und Mechanismen sind exakt die gleichen.

Im Staatsterrorismus kommt verschärfend noch die Rolle des Militärisch-Industriellen-Komplexes – MIK – (den ich um die Rolle der Massenmedien erweitere) hinzu. Hier geht es um Gewinne. Staaten unterhalten eine gewaltige Militärmaschinerie, die den Herstellern und Zulieferern von Waffen, Material, Treibstoffen und Verpflegung gewaltige Summen Steuergelder seiner Bürger garantiert. Je höher das militärische „Engagement“, desto höher die Gewinne.

Die Anschläge von Paris haben die Abläufe wieder deutlich gezeigt – egal, wer diese Attentate nun verübt hat. Man könnte sagen, nach den Anschlag ist vor dem Anschlag. Und genauso wird es wohl auch weitergehen. Die Abwärtsspirale der Gewalt rotiert und wird Menschen verschlingen, die ungewollt Teil dieses Uhrwerks sind – egal, auf welcher Seite sie leben oder stehen.

Die Kette aus Unwissenheit, Angst, Eitelkeit, Arroganz, Verblendung und Hass ist lang und fest. Sie ist so lang, dass der Ursprung nicht auszumachen ist – das Henne-Ei-Problem in seiner grausamsten Ausprägung. Die Lösung ist so klar und dennoch kaum zu erreichen. Ohne Dialog wird es nie enden, ohne Ausbruch aus dem Kreislauf wird niemand die Ursachen jemals behandeln können – auf beiden Seiten. „Wir“ können uns nicht unabhängig von „denen“ betrachten – und umgekehrt.

Ich weiß grad nicht weiter, reicht ja auch …

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