Wetten, dass …

Derzeit geistert ein Artikel von The Intercept durch das Netz und soziale Medien, in dem steigende Börsenkurse von Rüstungsunternehmen nach den Terroranschlägen von Paris am Abend des 13. November beschrieben werden. In der Veröffentlichung werden die Kurse von Firmen wie etwa Raytheon, Northrop Grumman, Lockheed Martin und General Dynamics angeführt – allesamt US-amerikanische Unternehmen.

Ich hätte dazu noch ein paar Ergänzungen, alle Kurse beziehen sich auf die Börse Frankfurt: Boeing und Airbus steigen seit gestern, Thales, BAE, Thyssen-Krupp und Rheinmetall sind bereits seit Freitag im Aufwärtstrend.

All das mögen Momentaufnahmen sein, die, verfälscht durch den kleinen Ausschnitt, nur Teil des normalen auf und ab aller Börsenkurse sind. Die Handelszeiten der Börse spielen ebenfalls eine Rolle. So wird zwischen Sonntag 23 Uhr und Freitag 23 Uhr gehandelt. Das hat ja hervorragend gepasst! Noch vor Börsenschluss war also klar, dass der IS in Paris eine massive Anschlagsserie durchgeführt hatte. Wenngleich vieles kurz danach noch nicht absehbar war, eins schon: Die Rüstungsbranche würde davon profitieren – vom Tod mehrerer Duzend Menschen.

Von einem zugegeben morbiden Interesse wären gleichsam noch die Kurse weiterer Unternehmen, wie etwa Halliburton, Shell oder McDonalds. Auch im sekundären Bereich des MIK wird es steigende Kurse, Umsätze und Gewinne geben. Darauf wird gewettet – mit hoher Erfolgsaussicht. Viele verdienen am Tod und es scheint, als müsse das so sein, weil es schon immer so war. In der Urgesellschaft dürfte es schon die ersten Spezialisten für die Herstellung von Steinmessern gegeben haben, später dann Schmiede, Bogenbauer, Büchsenmacher.

Rüstung gehört zur Menschheit so wie die Landwirtschaft und letztlich bilden Rüstungsunternehmen häufig die Spitze der Technologiebranche, die Krone des Maschinenbaus oder der Elektro- und Nachrichtentechnik. Daran zu rütteln bedeutet Arbeitsplätze und damit Wählerstimmen zu riskieren. Stimmt das?

Rüstungskonversion wird der Umwandlungsprozess von Unternehmen, die Aufträge für den militärischen Sektor ausführen, in solche, die im zivilen Bereich arbeiten, genannt. Die Linke fordert seit Jahren die Umsetzung von Konversionsprogrammen. Sie würden Arbeitsplätze erhalten, den Rüstungsetat deutlich senken und obendrein ein Beispiel für andere Staaten abgeben, in denen ebenfalls ein mächtiger MIK existiert.

Es geht hierbei jedoch nicht um die Abschaffung der Verteidigungsfähigkeit. Ziel muss es sein, die Fähigkeit zum Angriff zu verringern – für den Anfang. Denn wenn es weniger Gefahr gibt, angegriffen zu werden, ist weniger Aufwand zur Verteidigung nötig. Ähnlich der Energiewende geht das nicht von heute auf morgen, aber es ist möglich. Man muss es nur wollen.

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