lang ist’s her …
Was dürfen wir nicht alles? Konsumieren zum Beispiel, Medien zum Beispiel, Sport zum Beispiel, Fußball zum Beispiel, Weltmeisterschaft natürlich!
Doch leider sind mit den Freuden des Konsums auch die Leiden desselbigen eng verbunden. So müssen dürfen wir auch Günter Netzer ertragen erleben. Der Mann ist so unglaublich! Sein Äußeres einmal dahingestellt (er erinnert mich immer an eine Mischung aus Arnold Schwarzenegger und Chucky) – aber seine Sprüche, einfach fantastisch! Der Jabulani würde nach dem Kontakt mit dem Rasen (Aufsetzer) “beschleunigt“ werden. Na sowas! Da hat Herr Netzer wohl in Physik gefehlt und das Wort “Reibung” noch nie gehört. Die kleinen Verbalkeilereien mit Gerhard Delling sind auch immer wieder prima. Zitate kann ich gar nicht liefern – das muss man erleben! Die beiden arbeiten übrigens schon seit 1998 zusammen – erstaunlich.
Und sonst? Apple hat das iPhone4 auf den Markt gebracht. Das schönste Gerät der Firmengeschichte, so Steve Jobs. Oben Glas, unten Glas, dazwischen ein Band aus Edelstahl – die Optik besticht. Gleich nach Verkaufsstart stellten sich die ersten Empfangsprobleme ein. Warum? Die Kunden halten das Telefon falsch. Tja, da hätten die Kunden aber wirklich aufpassen müssen. Wie auch immer – Apple wird wie üblich ein Update herausbringen, dann kann man das iPhone halten, wie man möchte. Einmal abgesehen von dieser Startschwierigkeit – Apple hat wiedermal den Markt angekurbelt. Das neue Multifon enthält ein so genanntes Gyroskop. Damit können Lageänderungen im Raum erkannt werden – ein großer Schritt hin zur augmented reality, der durch Computer erweiterten Realität.
Was mussten wir noch alles erleben … heilloses Chaos in der Regierung, sinkende Zahlen für die FDP (1. Hat sich jemand darüber tatsächlich gewundert? 2. Was hat sie denn sonst auch verdient?), Machtkämpfe, scheidende Ministerpräsidenten und einen, der erst im dritten Wahlgang Bundespräsident wurde. Es gab einen Bundesminister (der früher das nun von ihm geführte Ministerium am liebsten abgeschafft hätte), der seiner Reisefreiheit nicht wie gewohnt frönen konnte und nicht nach Gaza durfte. Vor der Küste Gazas gab es einen Konvoi von Schiffen, auf denen sich auch deutsche Parlamentarier und ein bekannter Krimiautor befanden. Diese Schiffe wurden von israelischen Soldaten angegriffen, es gab Tote und Verletzte. Die gab es in letzter Zeit auch in Afghanistan, Pakistan, im Irak, in Mexiko, in Kirgistan, in der Türkei und in Thailand.
Verletzt sind und bleiben auch die Opfer von Gewalt, Missbrauch und Demütigung durch Lehrer, Erzieher und Priester – egal, wie lange die Taten bereits verjährt sind. Die Kirche stellt sich schützend vor ihre schwarzen Schafe und der Papst bittet “Gott und die betroffenen Menschen inständig um Vergebung”. Auch der neue britische Premierminister David Cameron hat sich entschuldigt. Für den “bloody sunday”, den 30. Januar 1972, den Tag, an dem 27 Demonstranten im nordirischen Derry starben – 3700 Menschen waren es im gesamten Bürgerkrieg.
Die Amerikaner enttarnten nach jahrelangen Ermittlungen einen russischen Spionagering, sie reformieren in den nächsten Monaten ihr Gesundheitssystem und ihren Finanzmarkt und sie kämpfen seit Wochen gegen Öl, das sie doch eigentlich fördern wollten. Derweil strömen 10 Millionen Liter Erdöl täglich aus dem Bohrloch – 10 MILLIONEN! Niemand bekommt das Problem in den Griff – BP nicht, Obama nicht und auch Kevin Kostner nicht. Der hilft aber wenigstens bei der Reinigung des verseuchten Wassers. So bleibt nur, für die Zukunft vorzusorgen.
Wenn also keine Bohrungen mehr im Golf von Mexiko stattfinden werden, dann muss wohl bald wieder ein Land dran glauben, dem man die Freiheit bringen kann – damit vielleicht auch dort die Menschen bald Günter Netzer sehen können. In Afghanistan jedenfalls dürften sich die Rohstoffgiganten dieser Welt die angeblich erst kürzlich entdeckten Eisen-, Kupfer-, Lithium-, Kobalt- und Goldlagerstätten längst unter den Nagel gerissen haben.
Hier bei uns im Land werden jetzt und demnächst hochgefährliche Straftäter aus der nachträglichen Sicherungsverwahrung in die Freiheit entlassen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hatte die nachträglich verlängerte, also nicht im ursprünglichen Urteil enthaltene Sicherungsverwahrung gerügt. So schnell treten die Grenzen des Rechtsstaates also zu Tage. Wir alle sollten hoffen, dass niemals jemand durch diese Fehler Opfer einer Gewalttat wird.
Zurück zum Fußball: Deutschlands Nationalmannschaft hat sich im Achtelfinale mit 4:1 gegen England durchgesetzt – der Schiedsrichter hat á la Wimbledon ein wenig geholfen. Überhaupt sind die Leistungen einiger Unparteiischer mehr als zweifelhaft – die anfangs beharrliche Weigerung der FIFA, bessere Methoden als menschliche Beobachtungen zuzulassen ebenso. Im morgigen Viertelfinale treffen Phillip Lahm und seine Mannen dann also auf Argentinien. Zwei offensive Teams – das verspricht spannend zu werden. Vielleicht melde ich mich dann wieder. Bis bald …
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