E-Gitarre mal anders
Wow! Ich bin kein Gitarren-Fan, ein Spieler bin ich erst recht nicht (obgleich ich von den Counting Crows über Genesis und Placebo bis hin zu Sting jede Menge Gitarrenmusik höre). Daher kann ich mich nicht richtig einfühlen in das, was Moog da auf den Markt geworfen hat. Moog – der Name steht für die Synthesizer-Schmiede überhaupt. Alle haben sie mit Moogs gearbeitet – Klaus Schulze, Tangerine Dream, Kraftwerk, Jean Michel Jarre – einfach alle Heroen der elektronischen Musik, aber auch Pink Floyd und Stevie Wonder standen damals auf den Sound der Moog-Kisten, und nicht zuletzt der G-Funk von Warren G und anderen hat seinen charakteristischen Sound erst durch einen Moog bekommen.
Die Geschichte von Moog begann bereits in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Robert Moog, ein studierter Elektrotechniker baute in den 50er Jahren den ersten Synthesizer für den Komponisten Max Brand und entwickelte danach immer weitere Geräte, mit denen sich elektronisch – nicht elektrisch – Klang erzeugen und manipulieren ließ. Daraus wurde irgendwann die Firma Moog Music, die der Gründer 1977 verließ. Diese Firma war im Grunde allein verantwortlich für den grandiosen Siegeszug der elektronischen Musik, der bis heute anhält. Moog Modular, MiniMoog oder Prodigy (die gleichnamige Band benannte sich nach diesem Klassiker) lauteten die Namen der Geräte, deren Klang noch heute jedem Begeisterten ein verklärtes Lächeln in das Gesicht zaubert.
Diese Firma also, Moog Music, gibt es seit 2002 wieder, und sie produziert neben den alten Geräten auch neue – natürlich Synthesizer. Und jetzt komme ich zurück zum Anfang dieses Artikels: Moog Music hat eine Gitarre entwickelt! Ausgerechnet eine Gitarre! Doch wenn Moog draufsteht, kann selbst eine Gitarre noch überraschen. Lou Reed beim Spielen: “Oh my God, this is amazing!” – das sagt eigentlich alles. Nachdem sich Bob Moog in den 1970ern mit Gitarren-Effektgeräten befasst hatte und sogar zusammen mit Gibson 1979 eine E-Gitarre entwickelte, war dies vielleicht nur ein logischer Schritt, doch überraschend kam es schon.
Die Moog Guitar eröffnet dem Musiker Möglichkeiten, die es auf konventionellen Klampfen nicht gibt, so zum Beispiel ein unendliches Sustain (Nachklang) auf allen Saiten oder eine Stummschaltung. Wer selbst Gitarre spielt, dürfte diese Innovationen schätzen lernen. Was in den Kreisen der Elektronik-Puristen eventuell als Blasphemie gedeutet wird – eine Gitarre ausgerechnet von Moog – wird nicht lange auf den Erfolg warten müssen. Ich bin überzeugt, dass sich in den nächsten Jahren vermehrt Musiker mit der Moog Guitar auf der Bühne zeigen werden. Wohlan!




