Land der untergehenden Sonne

Japan radioaktivJapan steht kurz nach einer Kette von unglaublichen Katastrophen am Rand des Kontrollverlustes. Erdbeben, Tsunami und eine Reihe von massiven Reaktorunfällen stürzen das Land in die größte Krise, die es dort nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges je gab. Hunderttausende Menschen stehen vor dem Nichts, Zehntausende haben bereits ihr Leben verloren. Das Volk des Inselstaates ist getroffen und handelt dennoch mit einer Disziplin, die es über Jahrhunderte kollektiv gelernt hat. Während nun auf der einen Seite die Leichen und Vermissten gezählt und identifiziert werden, kämpfen auf der anderen Techniker und Soldaten unter Einsatz ihres Lebens gegen die Strahlengefahr in Fukushima. Im Live-Ticker des Spiegel lassen sich die verzweifelten Schritte verfolgen.

Ich muss es ganz ehrlich sagen: Ich begreife es nicht. Man sieht immer wieder die gleichen Bilder. Gewaltige, schwarze Wellen spülen Autos, Boote und Trümmerteile von Häusern durch die Straßen und es wirkt surreal. Man sieht nicht einen einzigen Menschen in diesen Fluten und doch weiß man genau, es sind Menschen darin und sie sterben auf grausame Weise. Doch trotz des Horrors muss man sich sagen, dass es ein Beben und ein Tsunami waren und nicht die Abholzung der Regenwälder, das Dezimieren der Arten durch Wilderei oder die Vergiftung der Meere.

Nun bleibt zu hoffen, dass es die fleißigen, disziplinierten und demütigen Japaner nicht noch schlimmer trifft, als ohnehin schon geschehen und dass die Menschheit endlich begreift, dass wir nicht in der Lage sind, die Atomspaltung zu beherrschen – erst recht nicht, wenn die technische Sicherheit in unserem Wirtschaftssystem lediglich ein Kostenfaktor ist, der der zunehmenden Gier der Aktionäre immer wieder zum Opfer fällt. Hierzulande jedoch habe ich die Hoffnung auf verantwortungsvolles Handeln unserer Volksvertreter und unserer Bundeskanzlerin (einer studierten Physikerin!) aufgegeben. Anstatt die Bevölkerung vor dem existierenden Risiko eines nuklearen GAU zu schützen, wird wahltaktisch hantiert, gequatscht und getäuscht.

AKW Jülich

Der Reaktor in Jülich ist im Gegensatz zu dem in Oelde echt; war echt, muss es eigentlich heißen, denn er wurde am 31. Dezember 1988 stillgelegt. Es handelt sich hierbei um die Anlage, in die der deutsche Hacker Karl Koch im selben Jahr illegal eindringen wollte – jedenfalls behauptete er das gegenüber einem Journalisten des NDR, nachzulesen hier, nachzuschauen im Film „23 – Nichts ist so wie es scheint„.

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