so viel auf einmal

Uiuiui, da ist was los, in der Welt. Nullwachstum in deutschen Landen – aber erst im nächsten Jahr, da kann man doch in diesem noch ein paar Milliarden an Banken und Automobilkonzerne pumpen, ohne Rendite versteht sich. Als Dankeschön für’s Durchhalten bekommen dieses Wirtschaftswunderwelten dann vielleicht ein paar Steuererleichterungen – es wäre ja nicht das erste Mal. Hat von Euch da draußen jemand Steuergeschenke erhalten? Nein? Keine Sorge, es wird schon etwas geben – für’s Durchhalten…

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Licht aus

11196 Athleten aus 202 Nationen waren zwei Wochen lang in China am Start um Gold, Silber oder Bronze zu holen. Nun ist es vorbei. China hat gezeigt, dass es perfekt organisierte Spiele auszurichten vermag. Es hat den Beweis erbracht, dass sich Politik und Sport nicht trennen lassen. Uiguren, Tibeter, Meinungsfreiheit, Zensur sind die negativen Stichpunkte; Weltrekorde und Begeisterung die positiven. Die Weltöffentlichkeit hat 14 Tage lang auf die bevölkerungsreichste Nation geblickt und mit ihr gefeiert. Was konnte dadurch bewegt werden?

Songs for Tibet

Sting, Dave Matthews, Suzanne Vega, Alanis Morissette, Garbage, Underworld – sie alle (und noch einige mehr) sind von heute an auf einem Doppelalbum unter oben genanntem Titel mit einigen ihrer (zum Teil bereits bekannten) Stücke zu hören. Drei Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in der Volksrepublik (welch Hohn) China ist damit ein Werk erschienen, welches mit seinen Verkaufserlösen weltweit Projekte finanzieren wird, die sich den Ideen des Dalai Lama verschrieben haben, also der Friedfertigkeit, Gerechtigkeit und Freiheit. Vertrieben wird der Sampler hier unter Apples iTunes.

Große Freiheit

Vielleicht ist es besser, diese in Hamburg zu suchen (und zu finden), als im fernen, so erfolgreichen, so grandiosen China. Die Verständigung unter den Völkern dieser Welt sollen die Olympischen Spiele fördern – nur bitte nicht über das Internet! China zensiert das Netz – selbst für Journalisten. Ich bin ja nun wirklich kein Rebell, aber als Blogger weiß ich die Pressefreiheit zu schätzen. Journalisten erleben derzeit im Reich der Mitte jedoch eine Beschneidung der Rechte auf Presse-, Meinungs- und Informationsfreiheit in ungeahnten Ausmaßen.

Es ist eben nicht nur das unbedeutende und kleine Volk der Tibeter, das verdrängt und seiner Kultur und Religion beraubt wird, es ist nicht nur die Umwelt, die schamlos vergewaltigt wird, es sind nicht nur die Regimekritiker, die bespitzelt, inhaftiert und gefoltert werden. China ist der gesamte Rest der Welt offenbar völlig egal! Sie missachten uns! Sie haben die Spiele, sie haben das Geld und vor allem haben sie ein Wirtschaftswachstum, dass jedem Kapitalisten Schweißperlen auf die Stirn treibt. Jede Anti-Haltung gegenüber Nationen und Völkern ist mir ein Greuel, doch kann ich eine gewisse Antipathie im Bezug auf das Verhalten der chinesischen Administration inzwischen absolut nachvollziehen, so weit ist es schon gekommen – leider.

„der Scheiß“

Ja, auch ich hänge mich daran auf! Denn es ist beschämend, dass der Bundesvorsitzende der SPD Kurt Beck, der Sozial(!)demokratisch(!)en Partei Deutschlands überhaupt so plump und unbeherrscht reagiert, zumal wenn es sich um den Besuch des Dalai Lama dreht. Steinmeier ist bekannt für seine dümmlichen, geldgesteuerten Äußerungen und „Bedenken“ [1] [2] in der Debatte über den Chinesisch-Tibetischen Konflikt. Dass aber auch Beck jetzt dem Druck der Chinesen erliegt, Angst vor chinesischer Kritik zu haben scheint und sich zu Wortmeldungen hinreißen lässt, die keines Politikers würdig sind, stimmt mich mehr als traurig. Vielleicht haben beide nur noch ihren Kampf um die Kanzlerkandidatur im Kopf – und sonst nicht. Was hätte z.B. Willy Brandt – seinerzeit ebenfalls SPD-Vorsitzender, aber auch Regierender Bürgermeister von Berlin, Bundesaußenminister und Bundeskanzler – dazu gesagt?

Nun, da auch offiziell die Chinesische Botschaft gegen den Empfang des Dalai Lama durch die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Heidemarie Wieczorek-Zeul protestiert, sehen sich wahrscheinlich die beiden „Sozialisten“ Beck und Steinmeier in ihrer Haltung bestätigt, anstatt, wie es Seine Heiligkeit in einem Interview sagte, den Chinesen als Freunden klar zu sagen, dass sie Fehler begehen. Im Schulterschluss mit anderen Nationen wäre es möglich, politischen und wirtschaftlichen Druck zu erzeugen und aufrecht zu erhalten. Doch Deutschland scheint nicht in der Lage zu sein, sein sonst übliches Engagement für Frieden in der Welt auch im Bezug auf Tibet zu zeigen. Peinlich, und noch peinlicher wenn Heuchler wie die beiden potenziellen SPD-Kanzlerkandidaten dafür verantwortlich sind.